Oslo - Teil 2 / Heimfahrt

Oslo - Teil 2


km 326

Bei stark bedecktem Himmel fahren wir Richtung Oslo. Unterwegs tauchen immer öfter "automatische Autopass-Kontrollen" auf. Wir wissen damit überhaupt nichts anzufangen. Ich hatte nichts darüber gelesen. Man kann an diesen Stellen nicht anhalten und bezahlen schon gar nicht. Die Autos vor uns haben immer grünes Licht, wenn sie darunter hinweg fahren. Bei uns ist gar kein Licht. Was hat das nur zu bedeuten?

Wir kommen in Oslo an und begeben uns zum Fährhafen.

Im Terminal der DFDS Seaways ist es leer und wir können direkt nachfragen. Ja, heute ist noch etwas frei für 2 Personen. Prima!

Aber leider ist kein Platz für das Wohnmobil mehr frei. Morgen wäre ein Platz für das Wohnmobil frei, aber leider keiner mehr für Passagiere. Nächste Möglichkeit für Passagiere und Wohnmobil ist Donnerstag.

Wir buchen die Plätze incl. Frühstück. Abendessen wäre in dem Restaurant mit Buffet erst um 20.30 Uhr möglich. Also buchen wir kein Abendessen vor. Wir werden auf der Fähre schon etwas finden. 

Wir fragen noch nach einem nahe gelegenen Campingplatz. Außerdem lassen wir uns einen Stadtplan von Oslo geben. Der, den ich bereits habe, taugt nicht all zuviel. 

Der Campingplatz liegt hoch über Oslo und bietet sowohl bei Tag als auch in der Nacht einen tollen Ausblick!
Da das Wetter inzwischen besser ist machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das angrenzende Wäldchen.

Anschließend setze ich mich hin und rechne um, was wir für die Fähre zahlen müssen. Gut, dass ich schon sitze!!!

Die Hinfahrt hat ohne Abendessen 350,-€ gekostet. Die Rückfahrt soll nun 611,-€ kosten. Da kann doch etwas nicht stimmen. Morgen werden wir am Terminal noch einmal nachfragen. 

Internet kostet hier auf dem Campingplatz 50 NOK (6,50€) /24 Std. Da wir auf unserem Platz sowieso keinen Empfang haben, lassen wir es bleiben.

Der nächste Tag:
Für heute war strahlender Sonnenschein angesagt, wovon im Moment noch nichts zu sehen ist.

Nach dem Frühstück fahren wir erst einmal zum Fährterminal und fragen wegen des Preises nach. Ja, das hat alles seine Richtigkeit. Das ist eben Angebot und Nachfrage.

Sehe ich ja auch ein, dass eine kurzfristige Buchung teurer ist. Aber 260,-€? Das sind immerhin satte 75% Aufschlag.

Nun, ich kann es nicht ändern. Das ist halt das Lehrgeld für meine Naivität problemlos eine Fähre zu bekommen! 

Jetzt brauchen wir einen Bankomaten, da unser Bargeld gegen Null tendiert. Wir fragen uns durch, bis wir einen gefunden haben. Jetzt kann es zum Kon-Tiki-Museum aufgehen. 

Auf der Halbinsel, die sowohl per Fähre als auch per Auto erreichbar ist, gibt es mehrere Museen. Direkt beieinander stehen das Kon-Tiki-Museum, das Maritime-Museum und das Fram-Museum. Etwas entfernt gibt es noch das Wikingermuseum und das Volksmuseum.
Der Eintritt kostet zwischen 60 NOK und 80 NOK (7,90€ und 10,50€). Zunächst besuchen wir das Kon-Tiki-Museum.

1947 überquerte Thor Heyerdahl mit dem Floß Kon-Tiki den Pazifik. Wenn man hier vor dem Original-Boot steht, ist es kaum vorstellbar. Die einzige moderne Ausrüstung, die er und seine Crew mitnahmen, waren Funkgeräte.
1969 versuchte Thor Heyerdahl mit dem Papyrusboot Ra I den Atlantik zu überqueren. Er hatte das Boot von afrikanischen Fischern bauen lassen, die aber ein Haltetau nicht einbauten, weil sie es für überflüssig hielten. 960km vor dem Ziel fiel das Boot auseinander.

Heyerdahl ließ sein nächstes Boot , die Ra II, von Indianern bauen und stach 1970 wieder in See. Diesmal erreichte er sein Ziel.
Seine nächste Reise startete er mit der Tigris, einem Schilfboot vom Irak aus. Ziel war das Goldland "Punt". Am Horn von Afrika herrschte Krieg, weshalb er hier die Reise abbrechen musste. Aus Protest gegen den Krieg verbrannten Thor Heyerdal und seine Mannschaft die Tigris. So ist hier nur ein Nachbau zu sehen.
Wir haben im Kon-Tiki-Museum alles beschaut und bestaunt und wechseln ins Fram-Museum.

Die Fram wurde 1892 gebaut. Sie wurde am Bug verstärkt und ihre Bauweise gewährt, dass sie im Eis nicht zerbricht.

1910 brach Roald Admundsen von Norwegen aus auf, um als erster den Südpol zu erreichen. Sein Konkurrent Robert Falcon Scott brach mit dem gleichen Ziel von Großbritannien aus auf. Amundsen erreichte 1910 als erster den Südpol. Scott erst einen Monat nach Amundsen. Scott war schlecht ausgerüstet. Seine Hunde waren für die Kälte nicht geeignet und die mitgenommenen Ponys starben eins nach dem anderen. Scott und seine Begleiter starben auf dem Rückweg.
Wir wechseln ins Maritim-Museum. Dort kommen wir gerade rechtzeitig zu einer Film-Vorführung an, die wirklich sehenswert ist. Es handelt sich um Aufnahmen aus dem Flugzeug und vom Schiff. Sie zeigen verschiedene Gebiete Norwegens heute und zu früheren Zeiten. Der Film wird auf 4 (oder waren es 5?) nebeneinander liegende Leinwände projiziert und zeigt auch englischen und deutschen Untertitel für Erklärungen.

Ansonsten hat das Museum allerdings nicht viel zu bieten und wir verlassen es wieder.

Achtung Falle !!!

Zurück am Wohnmobil finden wir einen Strafzettel vor. Ich kontrolliere noch einmal unseren Parkschein und wundere mich, da die Zeit noch nicht abgelaufen ist. Nach einigen Minuten steigt die Dame, die die Knöllchen verteilt aus ihrem Auto. Ich spreche sie an, dass da wohl ein Irrtum vorliegt und zeige ihr den Parkschein.

Hier liegen 2 Parkplätze unmittelbar nebeneinander, die durch einen befahrbaren Weg und durch eine gemeinsame Zufahrt miteinander verbunden sind. Wir haben das Wohnmobil auf dem 2. Parkplatz weit rechts geparkt, so dass der Ticketautomat vom 1. Parkplatz näher ist. Hier hatte ich das Ticket gelöst. Die Dame belehrt mich, dass die beiden Parkplätze nichts miteinander zu tun haben und ich hätte das falsche Ticket.

Es mag ja sein, dass wir zu blöd waren, das zu erkennen. Aber offensichtlich spekuliert man darauf. Denn: 

1. passierte einem Norweger zur gleichen Zeit genau dasselbe. Ob das also wirklich so offensichtlich ausgeschildert ist, lassen wir mal dahingestellt sein. 

2. unser Ticket wurde um 11.09 Uhr gelöst. Bis es hinter der Scheibe war und wir abgeschlossen hatten, mögen noch einmal 2 Minuten vergangen sein. Also 11.11 Uhr. Der Strafzettel wurde exakt 2 Minuten später, um 11.13 Uhr ausgestellt. Das heißt, die Dame saß bereits in ihrem Auto auf dem Parkplatz und hat uns auch gesehen. Sie hätte uns auch darauf hinweisen können. Das Ganze hat also Methode. 

Richtig übel wird einem bei der Strafgebühr. 760 NOK, das sind knapp 100,-€!!!

Wie es damit weitergeht lesen Sie hier

Zurück auf dem Campingplatz koche ich immer noch vor Wut. Vor allem wird mir jetzt mulmig, wenn ich an die Automatische Pass-Kontrolle denke. Wenn das Strafe kostet und ein blödes Knöllchen schon so teuer ist, was mag da noch auf uns zukommen?

Neben uns stehen Solinger mit ihrem Wohnmobil. Ich gehe kurzerhand hin und spreche sie an. Es ist ein älteres, sehr nettes Ehepaar, das mich sofort beruhigen kann. Wenn man keinen Auto-Pass hat, erhält man halt eine Rechnung nach Hause. Ohne Strafe!

An dieser Stelle liebe Grüße an die Solinger. Ihnen verdanken wir, dass wir beruhigt schlafen konnten!

Heimfahrt


km 741

Wir müssen uns erst am frühen Nachmittag zum Check-In einfinden.

Wir genießen in aller Ruhe unser Frühstück. Anschließend packen wir unsere Rucksäcke für die Fähre. Wohnmobil ein letztes Mal ausfegen, Abwassertank entleeren. Wir setzen uns noch ein wenig in die Sonne. und lesen. Dann ist es Zeit und wir müssen den Campingplatz verlassen. Wir fahren zum Fährhafen und stellen uns direkt vor die Schranke zum Check-In. Es dauert nicht lange und die Schranke wird geöffnet. Wir erhalten unsere Bordkarten und stehen nun in einer der Spuren ganz vorne. (Was ja nichts heißt, wie wir aus Kopenhagen wissen).

Zuerst dürfen einige LKWs einfahren. Dann sollen wir rückwärts fahren und uns vor die LKWs stellen. Der Einweiser winkt Reinhard immer weiter zurück bis es plötzlich fürchterlich scheppert. Der Einweiser hatte nur auf den LKW hinter uns geachtet und auf die seitliche Absperrung. An der oberen Seitenwand befanden sich aber zwei Lüfter mit Abdeckkasten. Der untere Kasten ist jetzt nicht mehr an der Wand und unser Wohnmobil passte nun.

Schadensaufnahme mit dem Einweiser, dann können wir auf unser Deck. 
Unsere Kabine befindet sich auf Deck 10. Darüber sind nur noch Konferenzräume und Sonnendeck. Die Kabine gefällt mir auf Anhieb. Sie hat einen kleinen "Erker" mit Sitzecke. Außerdem hat sie ein 2. Fenster. Der Raum ist dadurch heller und die Aussicht ist besser.

Die "Pearl Seaways" hat keine Räume mit Balkon (im Gegensatz zur "Crown of Scandinavia"). Ansonsten findet man sich auf dem Schiff schnell zurecht, weil die beiden Fähren ähnlich aufgebaut sind.

Da wir sehr früh auf das Schiff konnten, erkunden wir erst einmal die Restaurants, damit wir einen Tisch für das Abendessen reservieren können. Das Steakhouse spricht uns am meisten an und wir reservieren. Da wir die ersten sind, die reservieren, bekommen wir für 19,00 Uhr einen 2er-Tisch am Fenster.

Das wäre erledigt, nun geht es hoch auf das Sonnendeck. Schnell wird ein guter Platz ausgesucht, um das Ablegen mitzuerleben.
Vor dem Abendessen bleibt genug Zeit, um ausgiebig zu Duschen. Anschließend suchen wir das Restaurant auf. Die Bedienung ist sehr freundlich und das Essen super. (Der Preis allerdings auch :-) )

Am späten Abend dürfen wir uns über einen phantastischen Sonnenuntergang freuen.
Abermals können wir ein leckeres Frühstück auf dem Schiff genießen. Danach verstauen wir unsere Habseligkeiten wieder in unsere Rucksäcke. Es dauert nicht lange und wir können die Ankunft in Kopenhagen erleben.

Dann kommt auch schon der Aufruf, dass die Passagiere sich zu ihren Fahrzeugen begeben sollen. Wir beeilen uns. Da wir ganz vorne stehen werden wir sehr schnell das Schiff verlassen können.
Vor uns verlässt ein Reisebus die Fähre, danach dürfen wir fahren. Das ging ja mal flott. Zoll erwartet uns hier auch nicht - was soll man aus Norwegen auch schmuggeln?

Es dauert eine Weile, bis wir aus Kopenhagen herausfinden, aber dann geht es zügig weiter. Wir überqueren die Insel bei Sonnenschein, dürfen als fast letztes Auto noch auf die Fähre Richtung Puttgarden und befinden uns wieder auf deutschem Boden.

Unser Navi kündigt an, dass wir um 20.30 Uhr zu Hause wären. Wir hatten in Deutschland eigentlich noch eine Übernachtung geplant, aber mal sehen, wie wir durchkommen.

Hamburg können wir ohne Stau hinter uns bringen, dafür dauert es bei Hannover etwas länger. Hinter Hannover rufe ich zu Hause an. Man will die Jungs ja schließlich vorwarnen. :-) Um 20.45 Uhr erreichen wir tatsächlich unser Ziel.
 

Fazit der Reise: Norwegen war abenteuerlich, es war anstrengend und es war teuer. Aber es war auch ein unvergleichliches Land, das uns immer wieder mit seiner vielfältigen Natur beeindrucken konnte! Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt!


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